Wirkungsmodelle zur Homöopathie

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Der folgende Abschnitt weicht in der Gestaltung und im Stil bewußt vom enzyklopädischen Charakter ab, um einen Sachverhalt ausführlich zu erläutern, der sich nicht allein durch die Sammlung einiger Fakten verstehen läßt. Eine solche Erklärung hat nicht den Charakter einer Tatsachen-Aussage, sondern soll einen Verstehenshintergrund zur Einordnung von Fakten ermöglichen. Dabei spielen natürlich subjektive Einschätzungen eine Rolle, die dem/r zitierten Autoren/Autorin zuzuschreiben sind.

Zu den Hauptproblemen homöopathischer InteressentInnen wie TherapeutInnen gehört, daß die Wirkungsweise der homöopathischen Mittel nicht erklärt wird und das therapeutische Handeln in keine brauchbare Theorie eingebettet wird. Selbst praktizierende BehandlerInnen können oft keine gute Theorie für ihr Handeln angeben, jedenfalls keine, die einigem Nachfragen standhalten würde. Die mit der Homöopathie gemachten Erfahrungen sowie ihre Regeln scheinen in einem weltanschaulichen Leerraum zu stehen und haben keinen erkennbaren Zusammenhang zu unserem derzeitigen Weltbild. Eine Gesetzmäßigkeit wie die Ähnlichkeitsregel ist nämlich nur dann mehr als eine bloße Behauptung, wenn sie ihren Platz im Rahmen einer Ordnung hat, die einen größeren Ausschnitt der Welt zu erklären verspricht als den Vorgang der Heilung. Ohne einen solchen – bewußten oder unbewußten – Hintergrund können wir die Leitlinien einer Heilweise weder verstehen, noch sinnvoll anwenden. Eine ganzheitliche Medizin muß also Teil einer ganzheitlichen Wissenschaft im Rahmen eines entsprechenden Weltbildes sein, so wie die Schulmedizin Teil der mechanistischen Wissenschaften und des positivistisch-materialistischen Weltbildes ist.[1]

Da sich Modelle für eine Wirksamkeit nur auf dem Hintergrund bestimmter Grundannahmen (Paradigma) über die Welt aufstellen lassen, soll hier zwischen Erklärungen der Homöopathie auf jeweils unterschiedlichen Hintergründen unterschieden werden.

Die historische Sicht: Hahnemanns Zeit

Für den Begründer der Homöopathie Hahnemann stellte sich die Frage der Wirksamkeit nicht in der Form, wie wir sie heute stellen. Was die heute am kritischsten betrachtete Frage der Potenzierung angeht, so war die Avogadro’sche Konstante zu seiner Zeit noch nicht bekannt, so daß er anhand seiner Beobachtungen schlicht davon ausgegangen ist, daß seine Heilmittel auch in höheren Potenzen eine Wirkung haben, die sich sogar mit zunehmender Potenz steigert statt abschwächt. Es gab in dieser Hinsicht also keinen Konflikt mit Annahmen über die Stofflichkeit von Substanzen.

Was das wesentliche Gesetz der Homöopathie, das Ähnlichkeitsgesetz angeht, so hat Hahnemann ebenfalls nicht erklären müssen, worauf es beruht, weil eine Denkweise in analogen Bezügen zu seiner Zeit noch auf lange kollektive Gewohnheit zurückgreifen konnte. Das naturwissenschaftliche Denken war im allgemeinen Bewußtsein noch nicht so konsolidiert, daß direkt Konflikte entstanden. Zudem hat Hahnemann sich in einer gewissen erkenntnistheoretischen Naivität auf die – in seinem Verständnis mögliche – reine und vorurteilsfreie Beobachtung berufen, aus welcher sich das Ähnlichkeitsgesetz ableiten ließe.[2]

„Da dieses Naturheilgesetz sich in allen reinen Versuchen und allen echten Erfahrungen der Welt beurkundet, die Tatsache also besteht, so kommt auf die scientifische Erklärung, wie dies zugehe, wenig an und ich setze wenig Wert darauf, dergleichen zu versuchen. Doch bewährt sich folgende Ansicht als die wahrscheinlichste, da [sie] sich auf lauter Erfahrungs-Prämissen gründet.“ (Hahnemann – Organon § 28)

Der Begründer der Homöopathie hat Wert darauf gelegt, daß die Homöopathie keine Weltanschauung sei, sondern eine Heilmethode beziehungsweise Heilkunst. Damit hat er natürlich Recht gehabt, denn ein medizinisches System allein kann keine Weltanschauung darstellen. Andererseits aber steht ‘‘jede‘‘ Heilweise im Rahmen einer bestimmten Weltanschauung, einer umfassenden Deutung der Wirklichkeit, welche ihrem Handeln einen Sinn verleiht.[1]

Die naturwissenschaftliche Sicht

[1]Das Verhaltnis von Homöopathie und Wissenschaft ist insofern schwer zu bestimmen, als wir mit dem Wort „Wissenschaft“ gewöhnlich nur eine bestimmte, historisch junge Form des menschlichen Wissens meinen. Die Homöopathie erfüllt offenbar alle Kriterien der Wissenschaftlichkeit: Sie beobachtet systematisch; sie verarbeitet alle angesammelten Erkenntnisse und vergleicht sie fortwährend mit älteren Daten; sie vergleicht und systematisiert ständig die Arbeitsergebnisse aller Beteiligten und überprüft diese unentwegt anhand von neuen Beobachtungen; sie unterliegt ständiger Selbstkritik und –kontrolle durch praktische Anwendung der Ergebnisse und auch durch internationalen Austausch der forschenden und der anwendenden HomöopathInnen. Aber sie paßt nach bisherigem Kenntnisstand nicht in das System der derzeitigen mechanistischen Naturwissenschaften, weil sie sich aus deren Annahmen über die Welt nicht herleiten läßt. Sie ist Teil einer anderen Art Wissenschaft mit anderen Voraussetzungen und anderen Vorgehensweisen. Verschiedene Weltanschauungen bringen aber unterschiedliche Wissenschaften hervor, die die Welt auf unterschiedliche Art richtig beschreiben.

Ein verbreitetes Klischee ist, daß homöopathische Wirkungen den modernen naturwissenschaftlichen Gesetzen widersprechen würden – etwa durch die Höhe der Potenzierungen, der berühmte Tropfen in den Bodensee. Das ist jedoch nicht der Fall und beruht auf einem grundlegenden Mißverständnis dessen, was die Naturwissenschaften ausmacht. Eine Tatsache oder Beobachtung kann von vornherein niemals einer Wissenschaft widersprechen, weil Wissenschaften dazu da sind, die beobachtete Wirklichkeit zu erklären, nicht aber zu bestimmen, was wirklich sein kann und was nicht. Ein sehr schönes Beispiel falschen Wissenschaftsverständnisses gibt uns Brecht in seinem Drama über Galilei (4.Bild). Galilei fordert die Gelehrten auf, doch durch sein Fernrohr zu schauen und sich selbst von der Existenz der Jupitermonde zu überzeugen. Diese weigern sich mit dem Argument, daß das bekannte Modell von der Welt deren Existenz für unmöglich erkläre.

Ähnlich wird heute im Namen der Wissenschaft gegen die Homöopathie oder andere Erscheinungen argumentiert, die sich nicht mechanistisch erklären lassen.[3] Tatsächlich vermag die derzeitige mechanistische Naturwissenschaft die Beobachtungen und Vorgehensweisen der homöopathischen Methode nicht befriedigend zu erklären. Aber darin liegt kein Widerspruch und kein Problem der Naturwissenschaft oder der Homöopathie. Im Gegensatz zu metaphysischen Annahmen kann sich eine wissenschaftliche Theorie grundsätzlich nicht auf die ganze Welt beziehen, sondern nur auf ein klar begrenztes Teilgebiet. Außerhalb dieses Geltungsbereiches sind Aussagen der betreffenden Wissenschaft sinnlos. Wir lernen gewöhnlich nicht, wo diese Grenzen liegen; sondern es herrscht die unausgesprochene Überzeugung vor, sie ließen sich beliebig hinausschieben, bis schließlich die Schulwissenschaft alles erklären könne.

Innerhalb ihres jeweiligen Geltungsbereiches sind die Aussagen unserer modernen Naturwissenschaften richtig und wertvoll; und kein Homöopath könnte ihnen aufgrund seiner Erfahrungen widersprechen. Die homöopathischen Zusammenhänge liegen jedoch nicht in diesem Zuständigkeitsbereich und können der mechanistischen Schulwissenschaft deshalb nicht widersprechen. Es gibt hier keinen Widerspruch, sondern zwei grundsätzlich verschiedene Ordnungen in unterschiedlichen Daseinsebenen.

Heilung steht zur Funktion gewisser Gewebe im gleichen Verhältnis wie die Liebe zu gewissen hormonellen Schwankungen. Ich kann zwar feststellen, daß Heilung oder Liebe typische physische Begleiterscheinungen haben, doch lassen sie sich aus diesen physischen Erscheinungen heraus nicht erklären. Insofern ist Heilung in ihrer Überprüfbarkeit und schulwissenschaftlichen Erklärbarkeit gut mit der Liebe zu vergleichen. Es handelt sich um ein bekanntes Phänomen, dessen Wesen sich nicht wissenschaftlich begreifen läßt. Und auch die Liebe läßt sich unter Laborbedingungen oder in Doppelblindstudien nicht reproduzieren. Doch würde niemand daran zweifeln, daß es sie gibt. Die Liebe, das Schicksal, die Heilung und der Tod werden immer Phänomene bleiben, die sich in ihrem Wesen dem wissenschaftlichen Zugriff entziehen.

Die Homöopathie behandelt nicht mit verbalen Erklärungen oder rein geistigen Einflußnahmen, sondern mit sogenannten Arzneimitteln, also materiellen Trägern. Das wirft natürlich immer wieder die Frage auf, was denn physikalisch oder chemisch bei einer solchen Medikamentengabe geschieht. In den Hochpotenzen der homöopathischen Arzneimittel ist ja chemisch keine Ausgangssubstanz nachweisbar. Über die Auswirkungen des Verschüttelns und Verdünnens gibt es deshalb eine Reihe von Untersuchungen und Überlegungen.

Physikalisch am besten ausgearbeitet sind die Modelle, die die Weitergabe der homöopathischen Information über ein „Gedächtnis des Wassers“[4] zu erklären versuchen. Wassermoleküle sollen über die natürliche Eigenschaft verfügen, Molekül-Cluster zu bilden, die sehr komplex und hochdifferenziert sind (ähnlich Schneekristallen) und die physikalisch lange Bestand haben. Wie eine Informationsmatrix könnten diese sich durch das rhythmische Verschütteln in der Lösung vervielfältigen und ausdifferenzieren. Milchzucker und Alkohol sind ebenso wie Wasser stark dipolare Moleküle, die über ähnliche Eigenschaften verfügen könnten.

Selbst in naturwissenschaftlich kundigen und genau gearbeiteten Büchern, wie zum Beispiel dem von Resch und Gutmann[5], finden sich nur physikalische Modelle, die sich als materielle Grundlage der Homöopathie eignen ‘‘könnten‘‘. Doch schon innerhalb der Physik haben solche Modelle hypothetischen Charakter und bewegen sich am Rand oder über den Rand des derzeitigen Wissensstandes hinaus. Ob sich homöopathische Gesetzmäßigkeiten an diese Modelle werden anlehnen können, wenn mehr darüber bekannt ist, bleibt offen und spekulativ.

In Anlehnung an unsere physikalischen Denkgewohnheiten haben sich im zwanzigsten Jahrhundert für alle möglichen nicht-physikalischen Zusammenhänge physikalische Metaphern als Erklärungshilfen gebildet. So wurden parapsychische Phänomene (Telepathie, Spuk usw) mit Hilfe von sogenannten „Psi“-Energien, mit Wellen und Neutrinoströmen zu erklären versucht. Die unterschiedlichen Qualitäten auf dem Erdboden und in der Landschaft bezeichnete man mit Erd„strahlen“ oder „Netzgitterlinien“. Die Bildung von Metaphern, um Neues und Fremdes mit Hilfe bekannter Strukturen zu deuten, ist üblich und legitim. Wir müssen nur vermeiden, solche Metaphorik mit wissenschaftlichen Aussagen zu verwechseln. Die „Energien“, „Schwingungen“ oder „Resonanzen“, von denen in diesem Bereich die Rede ist, haben mit dem physikalischen Energiebegriff zunächst einmal nichts zu tun. Dieser ist eine Rechengröße innerhalb eines Systems von mathematischen Formeln, und die Quantifizierbarkeit gehört zum Wesen dieser Begriffsbildung ebenso wie eindeutige Meßeinheiten. Metaphern weisen dies natürlich nicht auf. Sie können einen anschaulichen Wert haben, haben aber mit wissenschaftlichen Überlegungen nichts zu tun.

Abgesehen von der mangelnden physikalischen Basis, impliziert der Energiebegriff vieles, was sich in der homöopathischen Anwendung nicht wiederfinden läßt. Zum Beispiel müßte mehr Energie auch mehr Wirkung hervorbringen und somit die Wirkung eines Mittels stark von der Anzahl der eingenommenen Globuli abhängen, was aber nicht der Fall ist. Eine C 30 müßte dann zehnmal schwächer oder stärker sein als eine C 3, was ebenfalls nicht der Fall ist. Wenn wir schon eine physikalische Metapher verwenden wollen, dann läge die des Feldes näher (obwohl auch hier die Feldstärke und der Vektorcharakter eines Feldes sich nicht sinnvoll einordnen lassen).

Besser lassen wir die mißverständliche und unschöne pseudo-physikalische Begriffsbildung fallen und reden – wie Hahnemann – vom Geist oder Wesen eines Mittels. Mag sein, daß sich eines Tages nachweisen läßt, auf welche physikalische Weise Struktureigenschaften der Ausgangssubstanzen in den Trägerstoffen (Wasser, Alkohol, Milchzucker) weitergegeben werden. Das wäre gewiß faszinierend, würde aber homöopathisch nichts erklären.

Die ganzheitliche Sicht

[1]Viele PatientInnen, die ansonsten kritisch und gut informiert mit Behandlungen und Behandlern umgehen, nehmen bei der Homöopathie in Kauf, daß sowohl die Wirkungsweise als auch die Behandlungsstrategie undurchschaubar bleiben. Das zeigt einerseits, daß das Vertrauen in die Alternativverfahren nicht so drastisch verspielt ist wie in die Schulmedizin. Andererseits scheinen der ganzheitliche Ansatz und die Ähnlichkeitssuche auch ohne gültige Theorie auf eine intuitive Resonanz stoßen. Die Homöopathie knüpft offenbar an ein archaisch-intuitives Grundverständnis des Menschen von der Welt an. Aber eine bewußte und mündige Entscheidung für eine Therapieform ist nur möglich, wenn die geistigen Hintergründe reflektiert und verarbeitet werden können.

Die Homöopathie läßt sich durchaus in einen klaren theoretischen Zusammenhang bringen und vernünftig erklären, allerdings nicht im Rahmen der mechanistischen Naturwissenschaft. In der historischen Entwicklung der Homöopathie war fatal, daß zu Hahnemanns Zeit kein zur Homöopathie passender Erklärungsrahmen zur Verfügung gestanden hat. Denn dasjenige Weltbild, in welches die Homöopathie nahtlos hinein paßt, ist das sogenannte hermetische, oder wie wir heute sagen würden, das esoterische. Dieses hatte im Jahrhundert vor Hahnemann seine prägende Kraft im Abendland verloren und galt in Hahnemanns ärztlichen und gesellschaftlichen Kreisen als nicht diskussionswürdig. Er hätte also nicht einmal dann darauf zurückgreifen können, wenn ihm der Zusammenhang bewußt gewesen wäre. Für ihn war es selbstverständlich, sich an die Erklärungsstrukturen der rationalen Aufklärung anzulehnen und sein System im Sinne der sich gerade entwickelnden Naturwissenschaften aufzubauen. Seine Idee, eine Medizin zu entwickeln, die die Exaktheit der Mathematik erreichen kann, ist an unseren heutigen Kenntnissen vom Menschen gemessen absurd, aus dem aufklärerischen Pathos seiner Zeit heraus aber durchaus verständlich. Hahnemann konnte zu seiner Zeit noch nicht wissen, daß die mechanistischen Naturwissenschaften auch in ihrer Blüte kein für die Homöopathie brauchbares Theoriegebäude würden liefern können. Auch wenn in der Entstehungszeit der Homöopathie die zu ihr gehörige Weltanschauung gerade aus der Mode gekommen war, konnte Hahnemann auf ein Vorverständnis seitens seiner Zeitgenossen zurückgreifen. Sonst hätte sein Therapieansatz nirgendwo Aufnahme gefunden.

Um die hier vorgenommene Gegenüberstellung von Weltbildern zu verstehen, muß man sich immer wieder klar machen, daß unsere Denkgewohnheit falsch ist, daß die Naturwissenschaften eine „objektive“ oder wahre Sicht der Welt liefern. Jede Sichtweise und Deutung unserer Wahrnehmungen von der Welt kann immer nur eine mögliche neben anderen sein. Jede Weltdeutung geht (meist unbewußt) von bestimmten, nicht beweisbaren Voraussetzungen aus, die sie von anderen Weltanschauungen unterscheidet und zu einer anderen Sicht der Dinge führt. Die mechanistischen Naturwissenschaften beschreiben auf ihre Weise eine bestimmte Sicht der Welt, so wie andere Weltanschauungen eine andere Sicht der Welt beschreiben. Jede von ihnen setzt die Grenzen der Welt und des Möglichen an anderer Stelle, für jede Weltanschauung sind andere Vorgänge selbstverständlich oder unmöglich. Jede hat andere Vorstellungen von Zeit und Raum, Subjektivem und Objektivem, Geist und Materie, sowie andere aus diesen Grundannahmen folgende Werte.[6]

Es ist üblich, daß jede kulturelle Epoche eine bestimmte, in ihrer Zeit dominante Weltanschauung hat, die als „die Wahrheit“ gilt. Diese vorherrschende Weltanschauung verändert sich mit der Zeit. So ist etwa in den letzten zwei Jahrzehnten innerhalb der euro-amerikanischen Kultursphäre zu beobachten, daß der bis dahin gültige Konsens über die „Objektivität“ der naturwissenschaftlichen Weltsicht ins Wanken geraten ist. Wir befinden uns in einer kulturellen Übergangszeit, in welcher deutlich wird, daß es mehrere gültige Aussagesysteme über die Welt geben kann, unter welchen die Naturwissenschaften abendländischer Färbung eine Möglichkeit darstellen.

Worin besteht nun jene Weltsicht, aus der heraus die Homöopathie gut erklärbar wird? Was hat die Homöopathie mit der Alchemie und dem Schamanismus gemeinsam, daß ich sie in einem Atemzuge nennen kann? Wir beziehen uns auf eine Weltanschauung, mit der die Menschheit seit hunderttausenden Jahren überall auf der Welt lebte und weitgehend noch lebt. Uns, die wir in den gedanklichen Gewohnheiten des Rationalismus und Szientismus groß geworden sind, fällt es meist schwer, uns vorzustellen, daß diejenige Weltanschauung, die uns selbstverständlich und „objektiv“ scheint, nur eine flüchtige Modeerscheinung in der Weltgeschichte ist. Da die moderne Weltsicht nicht das Ziel hat, die Welt zu verstehen, sondern sie zu manipulieren, hat sie sich in kürzester Zeit unglaubliche Machtinstrumente (technische wie soziale) geschaffen, um Natur und Menschen weltweit unter ihren Zugriff zu bringen. Obwohl sie kaum zweihundert Jahre alt ist und von den meisten Menschen nur bruchstückhaft verstanden wird, ist sie seit ein paar Jahrzehnten auf diesem Planeten vorherrschend. Es handelt sich dabei um eine sehr einseitige und deshalb wohl vorübergehende Erscheinung, die nach und nach (und hoffentlich ohne größere Katastrophen) wieder einem umfassenderen Bild von der Welt und vom Menschen weichen und sich in eine ganzheitliche Weltanschauung integrieren wird. Der Höhepunkt der rationalistisch-szientistischen Phase ist bereits überschritten, und wir erleben allerorten die Schattenseite. Nicht zufällig ist es die Medizin, aus der Impulse kommen, die oberflächliche Sicht der mechanistischen Naturwissenschaften in Frage zu stellen.

In eine ganzheitliche Auffassung der Wirklichkeit scheint die Homöopathie nahtlos hineinzupassen. Die Grundgesetze der Hermetik, der „ewigen Philosophie“ oder der Alchemie lassen sich zusammenfassen als das Gesetz der Analogie, das Gesetz der Polarität, das Gesetz der Daseinsebenen, das Gesetz des Mandala und das Gesetz der Einheit. Bezogen auf die Homöopathie sieht das so aus:

1) Das homöopathische Ähnlichkeitsgesetz ist nichts anderes als eine spezialisierte Fassung des universellen Gesetzes der Analogie, Entsprechung oder Resonanz.[7] Interessant ist, daß Hahnemann – anders als die Menschen der Antike – eine gewaltige Fülle genauer Beobachtungen zur Bestätigung des Analogie- oder Simile-Gesetzes gesammelt, geordnet und aufgeschrieben hat. Darin erwies er sich bereits als ein Mensch der Moderne und ein wichtiger Vorläufer der wissenschaftlichen Medizin.

2) Das Gesetz der Polaritäten zeigt sich in der Homöopathie in Form der Primär- und Sekundärreaktionen auf Mittelgaben, die genau gegensätzlich zueinander verlaufen und in der Verordnungspraxis als Erstreaktion, Unterdrückung usw auftauchen. Auch in vielen Arzneimittelbildern läßt sich dieses polare Grundprinzip feststellen, indem sie eine Reihe genau gegenteiliger Eigenschaften aufweisen.

3) Die Auffassung, daß die Welt verschiedene Daseinsebenen beinhaltet, die sich durchdringen und beeinflussen, liegt allen Gedanken Hahnemanns zugrunde. Nehmen wir einen exemplarischen Satz aus dem Organon (§ 9): „Im gesunden Zustande des Menschen waltet die geistartige als Dynamis den materiellen Körper (Organism) belebende Lebenskraft (Autocratie) unumschränkt und hält alle seine Teile in bewundernswürdig harmonischem Lebensgange, in Gefühlen und Tätigkeiten, so daß unser inwohnende, vernünftige Geist sich dieses lebendigen, gesunden Werkzeugs frei zu dem höhern Zwecke unseres Daseins bedienen kann.“

Hier sehen wir den Menschen bestehend aus dem materiellen Körper, der – solange er lebt – von der Dynamis belebt wird, so daß beide Werkzeug des Geistes sein können, welcher wiederum einem höheren Zwecke untersteht. Es lag nie in Hahnemanns Interesse, weltanschauliche Aspekte näher auszuformulieren, und er hat ihnen keine quasi-religiösen Deutungen gegeben. Er war Arzt und nicht Esoteriker, doch läßt er keinen Zweifel an seinem Welt- und Menschenbild.

Auch bei der Erläuterung des Prinzips der Potenzierung begegnet uns die Notwendigkeit, das Wesenhafte einer Substanz von ihrer Stofflichkeit trennen zu können. Darauf weist Hahnemann immer wieder hin und stellt sich mit diesem Vorhaben – das Wesen und die materielle Substanz im Labor zu trennen – eindeutig in die Tradition der Alchemie, wenn auch das von ihm verwendete Verfahren neu zu sein scheint. Das Potenzieren mit dem abwechselnden Verdünnen und Verschütteln entspricht dabei dem alchimistischen „Erhöhen“ einer Substanz durch abwechselndes Destillieren und Kondensieren. Und wenn wir bei Hahnemann lesen, wie sich durch den Vorgang des Potenzierens das eigentliche Wesen einer Arznei aus dem Materiellen hervorhebt und deutlicher wird, erinnert dies fast zwingend an die alchimistischen Beschreibungen von der Reifung der Materie durch die alchimistische Kunst: „Ungemein wahrscheinlich wird es hierdurch, daß die Materie mittels solcher Dynamisation (Entwicklung ihres wahren, inneren, arzneilichen Wesens) sich zuletzt gänzlich in ihr individuelles geistartiges Wesen auflöse und daher in ihrem rohen Zustande, eigentlich nur als aus diesem unentwickelten, geistartigen Wesen bestehend betrachtet werden könne.“ (Hahnemann, Organon, § 270, Anm. 7) Und „Arznei-Stoffe sind nicht tote Substanzen in gewöhnlichem Sinne; vielmehr ist ihr wahres Wesen bloß dynamisch geistig - ist lautere Kraft ...“ (Hahnemann, Reine Arzneimittellehre, 6. Teil, S.11)

Hahnemann hat das Wesen der Krankheit als ein nicht-materielles verstanden, als eine Kraft (er nannte es „Potenz“), welche auf der Ebene der Lebenskraft, der Dynamis vorhanden war. Mehrfach betonte er, daß im physischen, materiellen Körper nichts davon zu finden und dieser ganz anderen Gesetzen unterworfen sei. So hat es eine klare Logik, daß auch das Heilmittel nicht auf der materiellen Ebene ansetzen kann. Krankheitspotenz und Arznei-Potenz begegnen sich auf der gleichen Ebene, die von Hahnemann teils als dynamische, teils als wesenhafte oder geistige bezeichnet wird. Aus diesem Zusammenhang ergibt sich, daß dem Menschen wie auch der Natur insgesamt eine Daseinsebene zugesprochen werden muß, welche nicht materiellen Wesens ist. Von dieser Ebene gehen die wesentlichen Lebensimpulse aus, auch Krankheiten und Heilungen. Die materielle Ebene ist nur die Wirkungssphäre, ein äußerer Spiegel des eigentlich unsichtbaren Geschehens. Ein solches Konzept hat in der naturwissenschaftlichen Denkweise und in den naturwissenschaftlichen Theorien keinen Platz und keinen Sinn.
Es gibt zwar eine Reihe Versuche, die homöopathischen Thesen in kybernetische Selbstregulationsgeschehen oder in systemtheoretische Begriffe zu übersetzen. Doch dabei geht stets Grundlegendes verloren. Hahnemann hat sehr deutlich gesagt, was er gemeint hat. Und wir können seine Gedanken und Forschungen auch gut verstehen, wenn wir ein dazu passendes Weltbild anwenden und nicht versuchen, die Homöopathie irgendwie in unser gewohntes Denken hinein zu verbiegen.[8]

4) Das Gesetz des Mandala oder der symmetrisch strukturierten Ganzheiten ist dasjenige, welches in der Homöopathie am wenigsten umgesetzt ist. Hahnemanns jahrzehntelange Verweigerung jeglicher Spekulation oder umfassender Theoriebildung führte dazu, daß er zwar eine immense Fülle an Analogiebeziehungen zwischen Menschen, Charakteren, Krankheiten und Natursubstanzen gesammelt und dokumentiert hat, diese jedoch nie sinnvoll ordnen konnte. Erst im höheren Alter machte er mit seiner Miasmentheorie einen Versuch, die menschlichen Krankheitserscheinungen wie auch die homöopathischen Arzneimittel drei Grundkrankheiten zu unterstellen, den sogenannten „Miasmen“ Psora, Sykosis und Syphilis. Spätere Generationen HomöopathInnen haben nicht aufgehört, über dieses Problem zu diskutieren und immer neue Ordnungssysteme zu erfinden. Sie gesellten zu Hahnemanns drei Miasmen noch das tuberkulinische als viertes, worin wir dann mühelos die vier Elemente Feuer (Syphilis), Luft (Tuberkulose), Wasser (Sykose) und Erde (Psora) wiedererkennen; oder sie benutzten das Periodensystem der chemischen Elemente als Ordnungsprinzip oder die Naturreiche der Minerale, Pflanzen und Tiere. Keine dieser Ordnungen konnte sich bisher durchsetzen, und das Problem muß als noch ungelöst einer weiteren Generation HomöopathInnen harren.
Der Grund für diese Skepsis Hahnemanns und vieler seiner NachfolgerInnen bezüglich analoger Ordnungssysteme beruhte darauf, daß zu seiner Zeit der Umgang mit den Analogieprinzipien in Form der Signaturenlehre und der weit verbreiteten Humoralpathologie (der Lehre von den Temperamenten und Säften) sehr heruntergekommen war[9] und nur noch als halb- oder unverstandenes Relikt auf der Basis antiker Schriften praktiziert wurde – auch zum Nachteil der PatientInnen, wie Hahnemann immer wieder feststellen mußte. Er lehnte dann nicht nur den Mißbrauch sondern auch die Methode selbst ab. Innerhalb seiner Lebenszeit kam er nicht mehr zu dem Schluß, daß er hier wohl das Kind mit dem Bade ausgeschüttet hat. Mit der Miasmentheorie hat er zwar versucht, auf spekulativem Wege wiederzugewinnen, was er von der Tradition verloren hatte, doch ist der Versuch im Ansatz steckengeblieben.
Es erweist sich als vorteilhaft, eine Methode (die Homöopathie) auf ein umfassenderes System (das hermetische Weltbild) zu beziehen, um strukturelle Lücken der Methode zu entdecken und aufarbeiten zu können. Die ganzheitlichen Systeme des Weltverständnisses haben eine Vollständigkeit in sich, da sie immer die Aufteilung der Einheit repräsentieren.

5) Die alles umfassende Einheit des Seins ist ein weltanschauliches Grundprinzip so allgemeiner Art, daß sich in der Medizin keine konkrete Ausformung desselben finden läßt. Aber es dürfte aus den bisherigen Punkten deutlich geworden sein, daß die Homöopathie und ihre typischen Gesetzmäßigkeiten ohne dieses Grunderleben einer Einheit des Daseins nicht denkbar sind.

Um das Gesagte noch einmal anders zu formulieren: Die Wirkung eines homöopathischen Mittels beruht darauf, daß es universelle Muster in der Natur gibt, nennen wir sie nun Archetypen, Ideen, morphogenetische Felder, Geister oder wie auch immer. Diese Muster bestimmen alles Geschehen auf allen Ebenen Die geistigen Muster lassen sich als äußere Substanzen manifestieren oder in solchen darstellen – das ist das Anliegen der Alchemie wie der homöopathischen Arzneimittelbereitung. Die Aufgabe der homöopathischen Behandlung besteht darin, dieses Muster in seiner krankmachenden Gestalt aufzufinden, es zu benennen und für eine Begegnung mit dem gleichen Prinzip in Form einer Arznei zu sorgen.

Früher wurde Krankheit so beschrieben, daß ein böser Geist Gewalt über den Zustand eines Menschen bekommen hatte. Heilung beruhte darauf, diesen Geist zu erkennen und zu benennen. Wenn man den Namen eines Geistes kannte – modern gesprochen: wenn man das kränkende Muster identifizieren und benennen kann –, dann hatte er seine Macht verloren.

Die Tiefenpsychologie und auch die Astrologie arbeiten nach dem gleichen Prinzip. Zur tiefenpsychologischen Arbeit gehört das Erkennen von archetypischen Grundmustern im Verhalten, in Phantasien und Träumen von Menschen, ihre Bewußtmachung und weitere Entwicklung zu Mustern, die eine Ganzheit ausdrücken. Diese archetypischen Muster finden sich in der individuellen Psyche ebenso wie in der kollektiven, das heißt in kulturellen Zeugnissen. Die Astrologie benennt die Verhaltens- und Wahrnehmungsmuster von Menschen mit Hilfe der überlieferten Tierkreiszeichen- und Planetensymbolik. Heilung und seelische Entwicklung finden durch Erkenntnis dieser komplexen Symbolmuster statt. Ganzheitliche Körpertherapien, wie die Craniosakraltherapie, die Osteopathie oder die bioenergetischen Methoden, suchen die geistigen Muster hauptsächlich in ihrer körperlichen Bindung und lösen sie auf dieser Ebene. Dabei werden oft zugehörige Gefühle, Bilder oder Erinnerungen freigesetzt, aber der Schwerpunkt liegt nicht bei der mentalen Bearbeitung.

Das Besondere am homöopathischen Ansatz ist die konsequente Einbeziehung der körperlichen und der mentalen Ebene: „Körper und Geist sind wie zwei unterschiedliche, doch in einer Wechselbeziehung zueinander stehende, sich ergänzende Bühnen, auf denen die gleiche, richtunggebende Kraft, die Individualität, das gleiche Stück aufführt, nur sozusagen in zwei verschiedenen Sprachen.“[10] In der Homöopathie gilt es, diese beiden Sprachen in Einklang zu bringen und ihr gemeinsames Muster zu verstehen.

Die therapeutische Arbeit in den hier geschilderten Zusammenhängen erfordert ein Umdenken in den angewendeten Konzepten und die Entwicklung eines (für uns) neuen Vertrauens in diese Gesetzmäßigkeiten. Das Denken in mechanistischen Kategorien und Sachzwängen, in schulmedizinischen Krankheitsbegriffen und –abläufen, in Theorien von Erregern und Ansteckungen, von Chemie und Substanz ist uns so in Fleisch und Blut übergegangen, daß es dauern kann, bis wir uns auf eine ganzheitliche Welt- und Therapievorstellung wirklich einlassen können.

Das wichtigste Prinzip dabei ist, daß wir der Ordnung der Daseinsebenen folgen und davon ausgehen, daß die stoffliche Struktur immer dem Fluß der Energie folgt. Die Lebensenergie ist nicht etwas, das im materiellen Körper fließt wie das Blut oder die Lymphe; vielmehr ist sie die formgebende geistige Struktur, in welche die Materie eingebettet ist. Wie Meister Eckhart sagte, ist nicht die Seele im Körper, sondern der Körper in der Seele. Hierzu ein paar Zitate von Kent, dem wohl maßgeblichsten Homöopathen nach Hahnemann:

„Alles und jedes, was dem Auge erscheint, ist nur eine Darstellung seiner Ursache, und es gibt Ursachen nur im Inneren. Ursachen bewegen sich nicht vom Äußeren des Menschen in sein Inneres hinein, weil der Mensch gegen solche Angelegenheiten geschützt ist. Ursachen existieren in so feiner Form, daß sie für das Auge unsichtbar sind. Es gibt keine existierende Krankheit, deren Ursache dem Menschen durch das Auge oder durch das Mikroskop erkennbar ist. Ursachen sind viel zu fein, um durch irgendein Präzisionsinstrument beobachtet werden zu können. Sie sind so immateriell, daß sie dem inneren Wesen des Menschen entsprechen und auf dieses wirken, und sie schlagen sich im Körper in Form von Gewebsveränderungen nieder, die vom Auge erkannt werden können. Solche Gewebsveränderungen müssen als das Ergebnis der Krankheit verstanden werden, oder der Arzt wird niemals die Ursache einer Krankheit wahrnehmen, was Krankheit ist, was Potenzierung ist, oder was das Wesen des Lebens ist. Das meinte Hahnemann, wenn er davon sprach, daß die grundlegenden Ursachen in den chronischen Miasmen lägen.“ (Kent, Lectures on Homoeopathic Philosophy, S.45)

„Die Allopathen halten tatsächlich die Folge für die Ursache und gelangen so zu einer falschen Theorie, zur Bakterientheorie. Man kann die Bakterien zerstören, zerstört jedoch nicht die Krankheit. Die Empfänglichkeit bleibt die gleiche, und nur die Empfänglichen werden die Krankheit bekommen. Bakterien haben einen Nutzen, denn in der ganzen Welt gibt es nichts, was nicht ein Nutzen hätte, und nichts ist auf die Erde geschickt, um den Menschen zu zerstören. Die Bakterientheorie würde den Anschein erwecken, der allweise Schöpfer hätte diese Mikroorganismen hierher geschickt, um die Menschen krank zu machen. Aus dem genannten Paragraphen sehen wir, daß Hahnemann keine solche Theorie wie die Bakteriologie angenommen hat.“ (Kent S.52)

„Alle Abbilder der Miasmen finden sich in Heilmitteln. Es gibt kein Miasma der Menschheit, das nicht sein Abbild in Heilmitteln fände. Das Tierreich trägt in sich das Bild der Krankheit, und das pflanzliche und mineralische Reich auf gleiche Weise, und wenn ein Mensch sich in den Substanzen dieser drei Reiche vollkommen auskennen würde, so könnte er die gesamte Menschheit behandeln. Bei der Anwendung muss der Arzt seinen Geist mit den Bildern füllen, die den Krankheiten der Menschheit entsprechen.“ (Kent, S.50)

Die vielleicht wichtigste Einsicht aus der hermetischen Weltsicht für die Behandlung ist, daß die TherapeutInnen immer mit den PatientInnen in einem Boot sitzen. Das Gefälle der „Halbgötter in Weiß“ zu ihren Patienten oder die psychotherapeutische „Abstinenz“ sind als Versuche, objektive Positionen gegenüber anderen Menschen einzunehmen, illusionär und müssen scheitern. Alle Beteiligten eines Systems wie einer Familie, einer Arbeitsgemeinschaft, einer Therapiesituation sind stets auf vielen Ebenen eng miteinander verflochten und haben an der gleichen Dynamik teil, spiegeln sich gegenseitig. Viele TherapeutInnen kennen das Phänomen, daß während eigener Krisen zahlreich die PatientInnen mit ähnlichen Problemen kommen. Auch hier gelten die Volksweisheiten, daß Gleiches sich zu Gleichem gesellt und Gegensätze sich anziehen, was für HomöopathInnen bedeutet: Similia similibus curentur.



Fußnoten:

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Der Abschnitt stammt aus „Die andere Wirklichkeit der Homöopathie“ von Jörg Wichmann, Verlag Neue Erde 2001
  2. Hahnemann, Organon, S. …
  3. Ein gutes Beispiel dafür ist die „Marburger Erklärung“ gegen die Homöopathie, mit der sich nicht nur ein ganzes Gremium von akademisch tätigen Ärzten durch seine kaum fassbare Ahnungslosigkeit in wissenschaftstheoretischen Fragen öffentlich lächerlich gemacht hat, sondern die auch den immer noch bestehenden Zusammenhang zwischen Mythenbildung und Macht zeigt. Erklärung der Marburger Medizinischen Fakultät zur Homöopathie aus 1992 „Homöopathie als Irrlehre und Täuschung des Patienten“: >>Der Fachbereich Humanmedizin der Philipps-Universität Marburg verwirft die "Homöopathie" als eine lrrlehre. Nur als solche kann sie Gegenstand der Lehre sein. In diesem Sinne reicht das Lehrangebot in Marburg aus. Wir sehen jedoch die Gefahr, daß man von uns „Neutralität“ und „Ausgewogenheit“ in diesem Stoffgebiet fordern wird und sind nicht bereit, unseren dem logischen Denken verpflichteten Standpunkt aufzugeben zugunsten der Unvernunft. Wir betrachten die Homöopathie nicht etwa als unkonventionelle Methode, die weiterer wissenschaftlicher Prüfung bedarf. Wir haben sie geprüft, Homöopathie hat nichts mit Naturheilkunde zu tun. Oft wird behauptet, der Homöopathie liege ein "anderes Denken" zugrunde. Dies mag so sein. Das geistige Fundament der Homöopathie besteht jedoch aus Irrtümern (Ähnlichkeitsregel, Arzneimittelbild, Potenzieren durch Verdünnen). Ihr Konzept ist es, diese Irrtümer als Wahrheit auszugeben. Ihr Wirkprinzip ist Täuschung des Patienten, verstärkt durch Selbsttäuschung des Behandlers. Wir leugnen nicht, daß sich mit "Homöopathie" mitunter therapeutische Wirkungen erzielen lassen, wobei es sich um sogenannte Placeboeffekte handelt. Nun könnte man einwenden: Was scheren uns Wirkprinzip und geistiges Fundament, wo es doch allein auf den Effekt ankommt? Nach dieser Logik müßten unsere Medizinstudenten auch in folgenden Gegenständen unterrichtet und geprüft werden: Chirologie (Bedeutung der Handlinien für die Persönlichkeitsstruktur und die Ganzheitsmedizin); lrisdiagnostik; Reinkarnationstherapie; astrologische Gesundheitsberatung (Bedeutung der Sternzeichen für die Neigung zu bestimmten Krankheiten). Mit all diesen Methoden, deren Wirkprinzip die Täuschung ist, lassen sich nicht nur therapeutische Effekte, sondern auch beträchtliche Umsätze erzielen. Mit den geistigen Grundlagen der Philipps-Universität Marburg sind diese Methoden ebensowenig vereinbar, wie es die "Homöopathie" ist. Wir behaupten keineswegs, daß die von uns vertretene Wissenschaft alles erforschen und erklären kann; wohl aber versetzt sie uns in die Lage zu erklären, daß die Homöopathie nichts erklären kann. Ein der Allgemeinheit von interessierter Seite eingeredeter Aberglaube mag dies anders sehen und sich Ausgewogenheit und Zusammenarbeit zwischen "Homöopathie" und "Allopathie" wünschen. Richtschnur unseres Handelns ist aber nicht ein in der Bevölkerung lebender und publizistisch geschürter Aberglaube, sondern die menschliche Vernunft, die uns sagt, daß die Worte "Homöopathie" und "Allopathie" nicht etwa einen Gegensatz, sondern eine Begriffswelt ohne reale Grundlage bezeichnen. Wir weisen darauf hin, daß an der Philipps-Universität Marburg auch keine „Allopathie“ gelehrt wird. Wenn unsere Universität sich dazu zwingen ließe, den Lehrgegenstand „Homöopathie“ in neutralem Sinne anzubieten, würde sie ihren Auftrag verraten und ihre geistige Grundlage zerstören. Eine neutrale Ausbildung in „Homöopathie“ findet deshalb nicht statt und ist auch nicht einklagbar.<< (http://oehwww.uibk.ac.at/natwi/pharm/bunsi/0195/marburg.htm oder: http://www.mh-hannover.de/student-alt/homoeo/marburg.html und aus Robert Jütte, Wege der Alternativen Medizin, S.164ff.) Die Erklärung einer Gruppe von mechanistisch eingestellten Angehörigen der Uni Münster zur Homöopathie stimmt stilistisch und inhaltlich gut mit diesem Text überein und enthält keine neuen Erkenntnisse.
  4. Schiff, Michel: Das Gedächtnis des Wassers – Homöopathie und ein spektakulärer Fall von Wissenschaftszensur, Frankfurt 1997; und sehr ausführliche Zusammenfassung des Diskussionsstandes hier: http://en.citizendium.org/wiki/Memory_of_water
  5. Resch, Gerhard u. Gutmann, Viktor: Wissenschaftliche Grundlagen der Homöopathie, Schäftlarn 1986 (3.Aufl. 1994)
  6. Zur Verdichtung der Weltanschauungen bis hinein in die Sprache s.z.B. Whorf, Benjamin Lee: Sprache, Denken, Wirklichkeit – Beiträge zur Metalinguistik und Sprachphilosophie. Reinbek 1963; und Tedlock, Dennis u Barbara: Über den Rand des tiefen Canyon. Lehren indianischer Schamanen, Düsseldorf Köln 1975.
  7. Sehr ausführlich ist dieser Zusammenhang nachgewiesen in Appell, Alchemistische Grillen, AHZ 5/1999
  8. Mit Recht spricht Appell (zB in Apell, Rainer G. (Hrsg.): Homöopathie zwischen Heilkunde und Heilkunst, Heidelberg 1997) vom szientistischen Selbstmißverständnis der Homöopathie.
  9. Die TrägerInnen des praktischen Heilwissens waren in Europa bis zu Hahnemanns Zeit im Zuge der systematischen Hexenverfolgungen fast vollständig ausgerottet worden. Paracelsus hatte sie noch erleben dürfen und gesagt, er habe sein ganzes medizinisches Wissen von den Weisen Frauen. Hahnemann konnte solche nicht mehr kennenlernen, und die Schriften des Paracelsus waren in einer Sprache verfaßt, die einem Kind der Aufklärung kaum noch verständlich war. Das ärztliche Studium zu Hahnemanns Zeit war ein rein theoretisches, und die Kranken wurden anhand der alten Texte von Galen und anderen behandelt, die natürlich auch auf Resten des alten Heilwissens beruhten, aber die Anbindung in die praktische Erfahrung verloren hatten und insofern leicht fehlgedeutet werden konnten, so etwa wenn die bildhafte Sprache der Signaturenlehre wörtlich genommen wurde.
  10. Whitmont, Edward C.: Psyche und Substanz. Essays zur Homöopathie im Lichte der Psychologie C.G.Jungs, Göttingen 1987/92, S.56f