Miasma

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Der Begriff Miasma zu Samuel Hahnemanns Zeiten

Miasma (griech.), eigentlich Verunreinigung und in der Lehre von den ansteckenden und epidemischen Krankheiten in sehr verschiedenen Bedeutungen gebraucht, wird jetzt fast allgemein dem Contagium entgegengesetzt und zur Bezeichnung eines aus faulenden organischen Körpern sich erzeugenden, die atmosphärische Luft verunreinigenden und so auf den Gesundheitszustand dieser nachteilig einwirkenden Krankheitsgiftes gebraucht.

Miasmen entstehen umso leichter, wenn der Zustand der Atmosphäre die Fäulnis befördert, also bei Wärme und Feuchtigkeit. Was aber eigentlich aus dieser Fäulnis sich entwickelt und das Miasma bildet, ist unbekannt, da unsere Sinne, von denen nur der Geruch zuweilen ein Miasma wahrnimmt, darüber keine Auskunft geben, und die Chemie noch nicht so weit ausgebildet ist, um ein Miasma aus der Luft abzuscheiden und seiner Natur nach kennen zu lehren. Fast ebenso ungewiss und unerklärt ist die Art der Einwirkung, durch welche Miasmen Krankheiten hervorbringen, da nur einige derselben, deren Entstehung genauere Untersuchung leidet, auch erfahrungsgemäß fast immer dieselben, wie wohl auch meist an sich rätselhafte und schwer zu ergründende Krankheitsformen entstehen lassen. Letzteres gilt namentlich von der Sumpfluft, dem Sumpfmiasma, welches man auch häufig mit dem ital. Namen Malaria und Aria cattiva bezeichnet. Andere Miasmen werden durch Kloaken, durch Orte, wo viel Fleisch fault, Begräbnisplätze usw. erzeugt, wenn man die nötigen Vorsichtsmaßregeln versäumt, ebenso an eingeschlossenen Orte, wo viel gesunde oder Kranke Menschen zusammengedrängt sind. Werden von einer miasmatischen Krankheit viele Menschen auf einmal ergriffen, so verändert sich dann häufig die Natur derselben und sie geht in eine kontagiöse über, so dass dem in der Luft befindlichen sich auch noch ein materieller, durch Berührung sich fortpflanzender Krankheitsstoff beigesellt. Da die Luft der alleinige Träger der Miasmen ist, so sind auch die Winde in dieser Beziehung teils schädlich, indem sie die Miasmen verbreiten, teils nützlich, indem sie dieselben durch Verdünnung unschädlich machen. Die fast durchgängige Unmöglichkeit, ein einmal erzeugtes Miasma zu zerstören, legt der medizinischen Polizei die Verpflichtung auf, die Entstehung eines solchen so viel wie möglich zu verhindern und bei Anlegung von Begräbnisplätzen, anatomischen Theatern, großen Versammlungshäusern, Scharfrichtereien, Schlachthäusern, gewissen Fabriken usw.  die gehörige Rücksicht darauf zu nehmen, und Gegenden, in denen sich Miasmen aus dem Boden erzeugen, für die Bewohner unschädlicher zu machen, was, je nach dem besonderen Falle, ebensowohl durch Trockenlegung wie durch Bewässerung, durch Ausrodung wie Anpflanzung von Wäldern geschehen kann.[1]

Ganz kurz gefasst, kann man sagen: Miasma ist ein Stoff, also etwas Materielles, der in der Atmosphäre eines Landstriches durch einen uns noch nicht genug bekannten Kausalkonflikt sich bildet, darin, so lange diese ursächlich gebildete Verbindung dauert, fixiert gehalten wird und die Fähigkeit besitzt, jene Organismen auf eine eigentümliche Art krankhaft zu ergreifen, welche zu diesem Stoffe durch eine analoge Disposition in einem günstigen Verhältnisse stehen. Kontagien hingegen sind auch etwas Materielles und setzen Stoffe voraus, welche, durch eigentümliche pathologische Prozesse im lebenden Organismus erzeugt, die Fähigkeit besitzen, anderen Organismen beigebracht zu werden und darin die nämliche Krankheit hervorzurufen.[2]

Miasmenbegriff bei Hahnemann

Rezeption und Diskussion des Miasmenbegriffs

Moderne Varianten des Miasmen-Konzeptes

Einführung weiterer Miasmen

Tuberkulinum

Carcinosin

AIDS

Miasmatische Richtung in der Homöopathie des 20. Jahrhunderts

Miasmen nach Rajan Sankaran

Fußnoten:

  1. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände; Conversations-Lexikon; Neunte Originalauflage; In fünfzehn Bänden; Neunter Band; Leipzig; F. A. Brockhaus; 1846, Seite 561
  2. Universal-Lexicon der practischen Medicin und Chirurgie, Neunter Band, Leipzig, Heinrich Franke, 1841, Seite 306