Letalität

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Die Letalität ist eine medizinische Kennzahl zur Beschreibung der Tödlichkeit einer Krankheit. Die Tödlichkeit eines Giftes hingegen wird als Letale Dosis bezeichnet. Eng verwandt mit der Letalität ist die Mortalität. Diese ist aber eine Kennzahl einer Region oder einer Bevölkerung.

Letalität oder Mortalität?

Bei einmaligem Auftreten einer Seuche in einem bestimmten Gebiet als abgeschlossenem Vorgang, ist die Letalität gleich der Mortalität. Tritt die gleiche Seuche später wieder auf oder auch an einem anderen Ort auf und befällt somit eine andere Bevölkerung, dann ergibt sich für diesen Fall, in Bezug auf diese Bevölkerung ein eigener Mortalitätswert. Darauf hin hat man also zwei unterschiedliche Mortalitätswerte, die von der gleichen Krankheit verursacht worden sind. Der Mittelwert dieser Mortalitäten kann dann als die neue Letalität der Seuche angegeben werden. Oder man betrachtet die Letalität der Seuche als Bandbreite und gibt den niedrigsten bekannten Mortalitätswert als untersten Wert an und den höchsten als obersten.


Letalität während eines Ausbruchs

Wenn eine Seuche gerade ausbricht, ist die Letalität nur annähernd bekannt, wenn es nicht der erste Ausbruch dieser Krankheit war und aus früheren Ausbrüchen schon Erfahrungen vorliegen. Die Mortalität ist nur dann annähernd bekannt, wenn die Bevölkerung, in der die Seuche gerade ausbricht, schon vorher von der gleichen Seuche befallen wurde. Bei einem bisher unbekannten Erreger ist keiner dieser Werte vorher auch nur annähernd bekannt.

Erste Hinweise auf die Letalität können sich erst ergeben, wenn ein signifikanter Teil der Erkrankten entweder gestorben ist oder genesen ist. Die Frage, ob jemand gestorben ist, ist leicht zu beantworten, weniger leicht, woran er gestorben ist, insbesondere bei bis dato unbekannten Erregern. Auch die Frage, ob jemand genesen ist, ist nicht eindeutig zu beantworten. Die momentane Abwesenheit von Symptomen reicht nicht aus. Von Herpes simplex wissen wir, dass der Virus sich innerhalb des Körpers so weit zurück zieht, bis das Immunsystem ihn nicht mehr findet und sofort wieder ausbricht, wenn das Immunsystem geschwächt wird. Man stirbt also selten daran, wird aber fast nie wieder gesund.

Während einer Epidemie mit einem unbekannten Erreger gibt es also zwei Ansätze:

  • 100 / Infizierte * Tote = "Optimistische" Letalität. Immerhin könnten alle Infizierten noch sterben und einige werden tatsächlich sterben. Wie viele ist unbekannt. Die "Optimistische" Letalität kann allerdings noch weiter sinken, wenn sich herausstellt, dass eine erhebliche Anzahl von Infektionen gar nicht erfasst wurde, z.B. weil die Symptome zu unauffällig und mild waren.
  • 100 / Gesundete * Tote = "Pessimistische" Letalität. Wenn keine weiteren negativen Faktoren, wie die danach erst stattfindende Überlastung der Kapazität des Gesundheitswesens auftreten, wird die Letalität am Ende der Epidemie wahrscheinlich deutlich geringer ausfallen.

Zum Ende der Epidemie werden sich die Kurven dieser beiden Berechnungsarten, die eher Schätzungen sind, immer weiter annähern. [1]

Für die Seuche SARS (2002) hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) anfänglich gesagt, die Letalität würde zwischen 3% und 4% liegen. Nach dem Ende der Epidemie hat man herausgefunden, dass der Wert bei 9,6% lag. [2]

Veränderung der Letalität

Auch wenn es der Erreger ist, der die Menschen tötet, so hat der Erreger doch keinen Einfluss au die Veränderung der Letalität. Sollte der Erreger mutieren und sich somit seine Tödlichkeit verändern, dann wäre das ein anderer, ein neuer Erreger und nicht der gleiche Erreger mit neuer Letalität. Und auf welche Bevölkerungen der Erreger trifft, ob diese schon eine Grundimmunität haben oder wie gut die medizinische Versorgung ist, kann der Erreger nicht beeinflussen.

Fußnoten:

  1. perspective-daily.de: Coronavirus: Warum du jetzt handeln musst! Chart 13, Tomas Pueyo 13. März 2020
  2. www.worldometers.info: How to calculate the mortality rate during an outbreak 3.3.2020